Beeinflusst: Tipps für einen reflektierten Umgang mit „Alternativen Medien“ und Influencer*innen

von weitklick-Redaktion | 29.07.2021

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Menschen in der U-Bahn schauen auf ihre Smartphones
© shutterstock | Rawpixel.com

Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit im Internet und auf den Sozialen Medien. Beiträge von Influencer*innen erfreuen sich bei ihnen besonderer Beliebtheit. Neben Musik- und Tanzvideos sowie Produktwerbung können der jungen Zielgruppe hier jedoch auch viele (Des-)Informationen begegnen, beispielsweise über sogenannte „Alternative Medien“. Diese verbreiten sich dann weiter über Messengerdienste. Wie groß aber ist der Einfluss? Wo droht vielleicht sogar Gefahr? Und welche Tipps können Sie Ihren Schüler*innen und deren Eltern geben, um Informationen richtig einzuordnen und Falschnachrichten zu erkennen?

Hass, Desinformation und Verschwörungsmythen

Desinformation und Verschwörungsmythen können Kinder und Jugendliche nachhaltig verunsichern und negativ beeinflussen. Vor allem wenn Influencer*innen, denen sie vertrauen, sie verbreiten. Hier ist es wichtig an ihrer Seite zu stehen und bei der Einordnung zu unterstützen.

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat in einer Schwerpunktanalyse Inhalte „Alternativer Medien“ und Influencer*innen auf Hass, Desinformation und Verschwörungserzählungen untersucht. „Alternative Medien“ weichen bewusst von klassischen Medien und deren journalistischen Standards ab und inszenieren sich mit systemkritischen Beiträgen als Gegenstimme. Für die Studie wählte die KJM 783 Angebote aus dem weiten Spektrum der „Alternativen Medien“ aus, welches von rechtspopulistischen Inhalten über pseudowissenschaftliche Veröffentlichungen bis hin zu Beiträgen von Reichsbürger*innen reicht. Bei über einem Drittel der recherchierten Angebote stellte die KJM einen Anfangsverdacht auf strafbare, jugendgefährdende oder entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte fest: Vor allem auf weniger reglementierten Plattformen und insbesondere zu Themen rund um politische Systeme, Zuwanderung und Corona fanden sie unsachliche, spekulative oder nationalistische Beiträge sowie Beleidigungen in den Kommentaren.

Laut der Vodafone Studie „Die Jugend in der Infodemie“ sind sich Jugendliche durchaus bewusst, dass ihnen regelmäßig Falschinformationen und Verschwörungsmythen begegnen. Dennoch sind sie unsicher, wie sie damit umgehen sollen und wünschen sich dafür Unterstützung von Bildungseinrichtungen. Eine große Mehrheit der Befragten sprach sich sogar dafür aus, dass das Thema Desinformation verpflichtend in die Lehrpläne an Schulen aufgenommen werden sollte.

Um Jugendliche – aber auch Eltern – für die Gefahren und den Umgang mit Falschnachrichten zu sensibilisieren, haben wir fünf Tipps zusammengestellt.

Tipps für Lehrkräfte

Tipp 1: Ansprechperson bleiben

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Privatsphäre – auch in ihrer digitalen Kommunikation. Gleichzeitig gilt die Fürsorgepflicht von Eltern und Lehrkräften. Kinder und Jugendliche brauchen Erwachsene, die sie im Internet begleiten und an die sie sich immer mit Fragen und Problemen wenden können. Deshalb: Kommunizieren Sie offen, seien Sie ansprechbar und fördern Sie aktiv kritisches Hinterfragen.

Tipp 2: Problematische Inhalte besprechen

Stellen Sie Fragen: Woher kommt die Information? Wer hat sie geteilt? Warum? Was und wer soll damit erreicht werden? Warum sind diese Inhalte bedenklich? Wer profitiert davon? Tauschen Sie sich mit den Schüler*innen dazu aus oder recherchieren Sie gemeinsam zu einem konkreten Beitrag. Recherchen des CORRECTIV.Faktencheck können Klarheit zu aktuellen Falschnachrichten schaffen und verdeutlichen, wie diese entstanden sind. Sprechen Sie über Themen, zu denen Desinformation und Verschwörungserzählungen im Umlauf sind, wie beispielsweise über Corona-Impfstoffe, und sehen Sie sich gemeinsam Erklär-Videos einer verlässlichen Quelle an. Auch kann über einseitige, spekulative oder unsachliche Berichterstattung sowie nationalistische Ideologien gesprochen werden. So können die Kinder und Jugendlichen besser einordnen, was ihnen begegnet und warum.

Wenn es um Hasskommentare oder Kommentare mit problematischen Inhalten geht, sollten Lösungswege aufgezeigt werden. Soziale Medien haben beispielsweise Meldefunktionen für Kommentare und Beiträge: Diese werden überprüft und gegebenenfalls entfernt. Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen können außerdem bei jugendschutz.net oder bei der Beschwerdestelle der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e. V.) gemeldet werden.

Tipp 3: Auf Altersbeschränkungen achten

Jedes Soziale Netzwerk hat eine Altersbeschränkung. So ist zum Beispiel YouTube mit Zustimmung der Eltern generell ab 16 Jahren erlaubt. Auch YouTube Kids können Kinder und jüngere Jugendliche grundsätzlich nur nutzen, wenn die Eltern zustimmen. Sprechen Sie also mit den Eltern Ihrer Schüler*innen darüber, denn Altersbeschränkungen sind für sie auch ein guter Anhaltspunkt, welche Inhalte den Kindern und Jugendlichen auf der jeweiligen Plattform begegnen könnten. Wenn Eltern sich weiterführende Infos zur Begleitung von Kindern auf verschiedenen Plattformen wünschen, können Sie auch auf Elternguide.online verweisen.

Tipp 4: Plattformen gemeinsam anschauen und einrichten

Wer ist auf welchen Plattformen unterwegs? Welche Informationen werden geteilt? Wer kann auf das eigene Profil zugreifen? Sensibilisieren Sie Eltern dafür, dass dies wichtige Punkte sind, die vor der Nutzung gemeinsam mit dem Kind besprochen werden sollten. Einige Messengerdienste erlauben, dass man eine Nachricht von einer komplett fremden Person erhält oder in eine unbekannte Gruppe hinzugefügt wird. Bei diesen ist das Risiko höher, ungewollt Nachrichten und Inhalte zugesandt zu bekommen, die möglicherweise falsche Informationen oder jugendgefährdenden Content enthalten. Auch ist die Verbreitung von Desinformationen auf weniger reglementierten Portalen leichter und häufiger der Fall.

Informieren Sie sich über diese Plattformen und besprechen Sie die konkreten Risiken mit den Schüler*innen. Den Eltern können Sie folgende Tipps mitgeben: Bei diversen Portalen ist es möglich, Profile speziell für Kinder einzurichten. So können vor allem Kinder Inhalte sehen, die für sie geeignet sind (obwohl auch hier kein vollkommener Schutz gegeben ist). Außerdem können auf jedem Profil von Sozialen Medien Einstellungen verändert werden, sodass beispielsweise Fremde keine Nachrichten senden können, manche Inhalte nicht angezeigt werden oder Bilder nicht öffentlich zu sehen sind. Wissenswertes hierzu gibt es auch auf Elternguide.online.

Tipp 5: Über Beeinflussung reden

Influencer*innen gibt es inzwischen zu fast jedem Thema und auf jeder Plattform. Sie rezensieren, werben und sagen ihre Meinung. Insbesondere weil Influencer*innen viel von sich zeigen und so Nähe zum jungen Publikum aufbauen, werden potenziell problematische Inhalte zielgerichtet und ungehindert weitergegeben. Daher ist es hier besonders wichtig, den Schüler*innen den Unterschied zwischen Meinung und Werbung oder propagandistischen Inhalten zu vermitteln und die Inhalte kritisch zu hinterfragen. Es kann auch hilfreich sein, mit den Schüler*innen zu besprechen, was Influencer*innen motivieren könnte, falsche Informationen zu verbreiten: Verdienen sie damit Geld? Wollen sie politische Diskussionen beeinflussen? Ermuntern Sie die Schüler*innen, sich diese Fragen bei allen Beiträgen von Influencer*innen zu stellen.

Positive Beispiele

Instagram: Die News-WG – Die News-WG veröffentlich täglich Stories und Posts mit Hintergrundwissen zu Politik und Nachrichten. Die News-WG ist ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.

Instagram: die.da.oben – Die.da.oben beschäftigen sich mit dem Bundestag sowie den dortigen aktuellen politischen Debatten, Personen und Themen. Die.da.oben ist ein Format von funk, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF.

Twitter: CORRECTIV.Faktencheck CORRECTIV.Faktencheck deckt Falschinformationen, Gerüchte und Halbwahrheiten auf. CORRECTIV ist ein spendenfinanziertes Recherchezentrum in Deutschland.

YouTube: MrWissen2Go Mirko Drotschmann redet auf seinem Kanal über spannendes Allgemeinwissen rund um die Themenfelder Politik, Geschichte und das aktuelle Zeitgeschehen. MrWissen2Go ist ein Format von funk, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF. Einen Blogbeitrag und eine Aufzeichnung eines weitklick-Webinars mit Mirko Drotschmann ist hier zu finden.

weitklick: Weitere Anregungen gibt es auch in den Modulen von weitklick.


Quellen u. a.:

 

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