Die Kraft des besseren Arguments

von Katharina Anne Klimkeit und Valerie Scholz (Gastbeitrag) | 19.02.2021

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Grafik zu Facts for Friends
© Facts for Friends

Facts for Friends macht Faktenchecks zum “Convenience-Produkt”

Die COVID-19-Impfung macht unfruchtbar, das Tragen von Masken beeinflusst die Hirnentwicklung von Kindern und der Lockdown in Deutschland ist noch bis Juni 2021 geplant? Solche vermeintlichen Fakten kennen die meisten, die auf sozialen Netzwerken unterwegs sind. Die Corona-Pandemie hat erneut bestätigt, dass Fake News besonders in Krisenzeiten destabilisierend wirken. Das junge Unternehmen Facts for Friends möchte mit neuartigen Formaten und innovativen Distributionsmethoden das Konzept Faktencheck revolutionieren und so attraktiver für Nutzer*innen machen. Die beiden Gründerinnen Katharina Klimkeit und Valerie Scholz sind überzeugt, um zu einem Mainstream „Convenience Produkt“ zu werden, muss Faktencheck nutzerfreundlich, zugänglich und einfach „sexy“ werden.

 

Die größte Herausforderung unseres Zeitalters

Fake News sind eine der wichtigsten und akutesten Herausforderungen unseres digitalen Zeitalters. Sie sind zwar kein neues Problem, aber die sich verändernde Nutzung der sozialen Netzwerke hat die Relevanz und die Gefahren von Fake News enorm verstärkt. Insbesondere die jüngeren Generationen wenden sich zunehmend von traditionellen Nachrichtenquellen ab. Laut des ‚Digital News Report 2020‘ von Reuters geben in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen 30 % der Deutschen an, Social Media sei ihre Haupt-Nachrichtenquelle (1).

Das Problem ist offensichtlich: Immer mehr Menschen nutzen soziale Medien als Nachrichtenquelle, während gefälschte Nachrichten in sozialen Medien immer unkontrollierbarer werden. Die Regierung, die Medienorganisationen und die sozialen Netzwerke selbst haben noch keinen wirklich erfolgreichen Weg gefunden, dem entgegenzuwirken. Dazu kommt, dass traditioneller Journalismus zunehmend Schwierigkeiten hat, die jüngere, digitale Zielgruppe zu erreichen. Diese Entwicklung bedroht das Überleben der Branche und gefährdet die demokratische Meinungsbildung. 

 

FactSnacks statt Fact-Checks

Es gibt bereits einige Organisationen, die sich dem Thema Fact-Checking verschrieben haben (z.B. Correctiv, Mimikama). Außerdem betreiben auch viele große Medienorganisationen ihre eigenen Fact-Checking-Abteilungen. Allerdings veröffentlichen diese bereits existierenden Fact-Checking-Webseiten und -Angebote größtenteils eher lange und teilweise sehr komplexe Artikel. Dadurch kann es für einige Bürger*innen mit größerem Aufwand verbunden sein, kursierende Informationen zu recherchieren und auf diesem Wege zu verifizieren. Nutzer*innen-Befragungen  haben ergeben, dass viele dieser Angebote der breiten Masse sogar überhaupt nicht bekannt sind (Quelle: Facts for Friends).

Benötigt wird eine Brücke zwischen traditionellen Medien und den Nutzer*innen von sozialen Medien. An dieser Stelle setzt Facts for Friends an. Das junge Start-up fungiert als Brücke zwischen etablierten Fact-Checking-Organisationen und den sozialen Medien. Sie sammeln, kürzen und fassen die oft langen und komplizierten Faktenchecks von etablierten Faktenchecker*innen zusammen und machen daraus sogenannte „Fact Snacks”. Das sind prägnante Klar- und Richtigstellungen zu kursierenden Fake News, die sofort und in verschiedenen Formaten in allen sozialen Medien und Messengerdiensten geteilt werden können. Auf diese Weise wird Fact-Checking zugänglicher für Nutzer*innen und geeigneter für die modernen digitalen Medienkanäle. Das junge Start-up arbeitet in einer kleinen Redaktion und setzt ihre Arbeit technisch durch Cloud Infrastructure und ein teilautomatisiertes Upload-Verfahren um; zudem wird das Team in Zukunft einen Natural Language Processing (NLP)-Modellprototyp trainieren, der die „Fact Snack“-Redakteure bei der Textzusammenfassung von Faktenchecks unterstützen kann und damit eine halbautomatische Content-Erstellung ermöglicht. So kann das Team von Facts for Friends mit einer kleinen Redaktion eine große Menge an Content erstellen, bestehende Fact-Checking-Angebote ergänzen und sicherstellen, dass die Fakten und Richtigstellungen dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden.

 

Faktencheck im Klassenzimmer

Das langfristige Ziel von Facts for Friends ist es, die Anlaufstelle für Faktencheck in Deutschland und später auch im Ausland zu werden. Mithilfe neuer Formate, Themen und Sprachen sind der Skalierung und dem Wachstum beinahe keine Grenzen gesetzt. Die beiden Gründerinnen sind überzeugt, dass ihr Konzept dem Thema Faktencheck einen Imagewechsel verpassen kann, von verstaubten und komplizierten Inhalten zu interaktiven, multimedialen und potenziell viralen Inhalten.

Mit diesen innovativen und kurzweiligen Inhalten wollen sie insbesondere die Zielgruppe der Generationen Y und Z ansprechen. Denn genau diese Zielgruppe ist auf sozialen Medien sehr aktiv, bezieht von dort einen Großteil ihrer Informationen und wendet sich zunehmend von traditionellen journalistischen Angeboten ab. Statt ihnen veraltete journalistische Formate aufzuzwängen, wollen die Gründerinnen auf junge Menschen zugehen und Formate für diese Zielgruppe und ihre digitalen Gewohnheiten kreieren. Formate, die nicht nur technisch online teilbar sind, sondern auch inhaltlich zum Teilen anregen.  

Facts for Friends ist somit ein ideales Hilfsmittel für den Unterricht über Desinformationen und digitalen Nachrichtenkonsum. Lehrer*innen können die Plattform im Unterricht vorstellen und nutzen, um ihren Schüler*innen ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie Informationen einfach und schnell nachprüfen können. Anders als eine simple Google-Suche, besteht bei Facts for Friends die Sicherheit, dass alle Informationen aus verifizierten journalistischen Quellen stammen. Zudem sind die Informationen kurz zusammengefasst und einfach verständlich aufbereitet. Um die Schüler*innen für das Thema zu sensibilisieren, können ebenfalls die Hintergrundinformationen auf der Plattform genutzt werden, die über die Definition von Fake News aufklären und den Umgang mit Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, erläutern.

Mithilfe von sogenannten Twitter Storms oder Information Storms, können Lehrer*innen beispielsweise ihre Schüler*innen anregen, Falschinformationen aufzuspüren und mithilfe von Facts for Friends Fakten im Netz zu verteilen und so selbst aktiv gegen Desinformation zu werden. Denn nur mit einer Community oder mit digitalem Aktivismus kann die Wahrheit im Netz siegen.

 

Gemeinsam für mehr Wahrheit

Trotz seines kurzen Bestehens erntete Facts for Friends bereits viel positive Resonanz von sachkundigen Expert*innen. Insbesondere einige Ministerien, wie etwa das Bundesministerium für Bildung und Forschung oder das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz sowie das Bundespresseamt (BPA) zeigten Interesse und bestätigten den dringenden Bedarf für das Konzept Facts for Friends. Darüber hinaus erhielt Facts for Friends die Auszeichnung „Kultur- und Kreativpiloten 2020“ von der Bundesregierung und wurde im 2020 Goalkeepers Report von der Bill & Melinda Gates Stiftung erwähnt.

Anders als bisherige, wenig erfolgreiche Versuche, Fake News in sozialen Netzwerken zu bekämpfen, kann der Multiplikationseffekt, der entsteht, wenn eine Community aus Nutzer*innen die neuen Formate nutzt, um selbst freiwillig und aktiv gegen Fake News anzugehen, hier endlich einen Durchbruch schaffen.

(1)  Sascha Hölig / Uwe Hasebrink / Julia Behre (Hrsg. Hans-Bredow-Institut), URL: https://www.hans-bredow-institut.de/uploads/media/default/cms/media/66q2yde_AP50_RIDNR20_Deutschland.pdf S. 6

 

Über die Autorinnen

Katharina Anne Klimkeit (Co-Gründerin & CEO)
Katharina ist bei Facts for Friends hauptsächlich für das Business Development  zuständig. Sie hält einen B.Sc. in BWL und einen M.Sc. in Entrepreneurship und Innovationsmanagement. Mit 18 gründete sie ihr erstes Start-up und sammelte seitdem in verschiedenen Start-ups und Beratungen Erfahrung.

Valerie Scholz (Co-Gründerin & CCO)
Valerie leitet bei Facts for Friends das redaktionelle Geschäft. Nach ihrem B.A. sammelte sie in mehreren Kreativ- und Mediaagenturen Erfahrungen im Content-Bereich. Durch ihr Journalismus-Masterstudium und ihre anschließenden Tätigkeiten bei der F.A.Z. sowie als freie Journalistin, greift sie auf fundierte journalistische Erfahrungen zurück.

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