Rückblick auf die dritte weitklick-Fachtagung am 06.11.2025
von weitklick-Redaktion | 11.11.2025
Am 06.11.2025 hat weitklick Lehr- und pädagogische Fachkräfte zur Fachtagung ins Museum für Kommunikation Berlin eingeladen. Unter der Überschrift „Durchstarten mit KI-Kompetenz – Medienbildung stärken, Herausforderungen begegnen und Unterricht gestalten“ haben wir gemeinsam mit Speaker*innen und über 60 Teilnehmenden über verschiedene Aspekte rund um KI im Lehren und Lernen diskutiert. Die Highlights der Tagung hier für Sie zusammengefasst.
Die Teilnehmenden hatten zu Beginn die Möglichkeit eine exklusive Expressführung durch die Dauerausstellung oder die neue Sonderausstellung „Apropos Sex“ zu bekommen. Eine halbe Stunde lang durften die Lehr- und pädagogischen Fachkräfte in Fragen und Aspekte rund um Kommunikation eintauchen und sich für den gemeinsamen Tag einstimmen.
Keynote: Künstliche Intelligenz? Neugier, Veränderungsmut, Lernkultur!
Katja Zöller, Referentin für Digitale Bildung bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, setzte in ihrer Keynote ein motivierendes Statement für Offenheit und Wandel in Schulen. Mit spannenden Einblicken aus dem Pilotversuch „KI im Klassenzimmer“ sprach sie über Potenziale und Probleme bei der Integration von KI-Chatbots ins Lehren und Lernen. Die Erleichterung einiger Aufgaben wie das Aufsetzen von Elternschreiben stehe einer Überforderung durch diese neuen, unbekannten Anwendungen gegenüber.
„Die Zahnpasta ist aus der Tube, die bekommen wir nicht wieder hinein!“
Katja Zöller betonte, dass KI-Technologien in unser aller Leben Einzug gehalten haben und wahrscheinlich nicht wieder wegzudenken sein werden. Dabei dürfe jedoch kritisches und komplexes Denken auf keinen Fall auf der Strecke bleiben. Sie plädierte für:
- Aufklärung und Verständnis über Grundlagen und Mechanismen von KI. Etwa durch gezielte Schulentwicklungstage, zu denen externe Expert*innen eingeladen werden oder auch über Taskforces, die sich speziell mit KI beschäftigen und ihr Wissen im Kollegium teilen.
- Ausprobieren und Anwenden, indem Erprobungsräume geschaffen werden, bspw. zum gemeinsamen Prompten für Lehrkräfte und Schüler*innen.
- Akzeptanz und Reflektion darüber, dass KI keine Eintagsfliege ist und Verbote nicht helfen. Unsicherheiten zunächst auszuhalten sowie Lern- und Prüfungskultur weiterzuentwickeln seien entscheidend.
- Aktiv werden und Mitgestalten durch die Entwicklung eigener Ideen zur Implementierung des Themas ins Mediencurriculum.
Katja Zöller betonte, dass keine völlig neue Didaktik nötig sei, sondern dass es eine bewusste Verschränkung von Zielen, Aufgaben, bereits bestehenden Strategien, KI-Ressourcen mit kritischer Reflexion zu KI brauche.
Paneldiskussion: Was brauchen Lehrkräfte und junge Menschen in Bezug auf KI und Medienbildung?
Christine Watty, freie Journalistin und Moderatorin, leitete die Diskussion. Mit dabei waren:
- Gizem Celik, Creatorin, Podcasthost und CEO von Pop Culture
- Cornelia Brückner, Referatsleitung Medienbildung und -beratung, LIBRA
- Katrin Hünemörder, Geschäftsführerin mediale pfade
- Katja Zöller, Referentin für Digitale Bildung bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung
- Lennart D'Aprile, Medienpädagoge mit Praxiserfahrung bzgl. KI im Unterricht
Sie diskutierten darüber, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll in Bildungskontexte integriert werden kann.
Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Kompetenzen junge Menschen benötigen, um KI-Technologien zu verstehen und kritisch zu nutzen – von Wissen über Funktionsweisen und Datenverarbeitung bis hin zu ethischen Aspekten wie Bias (Voreingenommenheit) und Datenschutz. Ebenso wurde betont, dass Lehrkräfte Unterstützung beim Erwerb eigener KI-Kompetenzen brauchen, etwa durch praxisnahe Fortbildungen, Materialien und Netzwerke.
Die Panelist*innen zeigten auf, dass erfolgreiche KI-Medienbildung nicht nur technisches Wissen, sondern auch kritische Reflexion, Kreativität und Teilhabe erfordert.
Transparenz und Offenheit stachen als besonders wichtige Faktoren hervor. Nicht nur Schüler*innen, sondern auch Lehrkräfte würden KI bereits für verschiedene schulische Aufgaben nutzen. Es dürfe kein KI-Verbot für junge Menschen geben, während Lehrkräfte die Technologie selbst nutzen. Vielmehr brauche es transparenten Austausch über Erfahrungen und Bedürfnisse in Bezug auf KI-Anwendungen im Lehren und Lernen. Kinder und Jugendliche sollten aktiv als Mitgestalter*innen eingebunden werden, während Schulen strukturelle Rahmenbedingungen schaffen müssen, um KI-Medienbildung langfristig zu verankern.
Das Panel war sich einig darüber, dass das Rad nicht neu erfunden werden müsse. Es gäbe bereits viele Angebote der Medienbildung sowie Strategien und Expertise, die man nutzen und befragen könne, um den sicheren, kritischen, reflektierten und kreativen Umgang mit KI und weiteren digitalen Medien zu stärken.
Die Workshops
Im Anschluss an die Paneldiskussion fanden sechs Workshops über zwei Workshopphasen hinweg statt.
Im Workshop „Digital und ungerecht? Diskriminierungskritische Thematisierung von KI im Unterricht“ führte Rebecca Wienhold, freie Medienpädagogin und Trainerin für Diversity und Rassismuskritik, in Probleme der Voreingenommenheit und Stereotypisierung von KI-Systemen ein. Die Teilnehmenden diskutierten, wie junge Menschen im Unterricht für diese Themen sensibilisiert werden können und lernen, KI aus diskriminierungskritischer Sicht zu betrachten.
Udo Lihs, Medienpädagogische Projektleitung des Projekts „FINNreporter | Kinder erklären KI“ des fragFINN e.V. stellte im Workshop „Was müssen Grundschulkinder über KI wissen? – Praktische Erfahrungen aus dem Projekt KieKI – Kinder erklären KI“ zentrale Erkenntnisse aus dem Projekt vor. So beleuchtete er, über welche kreativen Formate sich Kinder dem Thema KI genähert und was sie dabei gelernt haben.
Im Workshop „KI als Gegenstand kritischer Medienbildung – Handlungsimpulse für den Umgang mit KI im Unterricht“ zeigte Katrin Hünemörder, Geschäftsführerin von mediale pfade, Methoden auf, die KI im Schulkontext einsetzen. Die Teilnehmenden analysierten diese hinsichtlich:
- ihrer Lernziele
- des Potenzials, den Einsatz von KI-Technologien im Lernalltag kritisch zu hinterfragen
- des Potenzials selbstgesteuertes Lernen anzuwenden
Fabian Wörz, Medienpädagogischer Referent in der Abteilung Praxis des JFF, bot den Workshop „Zwischen Hype und Haltung: KI als Thema in der Bildungsarbeit – Kritische Perspektiven und kreative Methoden aus der Medienpädagogik“ an. Im Mittelpunkt stand der kreative Umgang mit KI. Die Teilnehmenden erprobten, wie KI-Anwendungen im Zusammenhang mit Social Media, Information und Desinformation eingesetzt werden können.
Lisa Königs, Projektreferentin Experience AI, und Nils Rudolf, Referent Medienbildung FSM e.V., stellten in zwei Workshops das Unterrichtsprogramm Experience AI vor. Ziel war es, die Teilnehmende exemplarische Übungen ausprobieren zu lassen, um so einen Eindruck zu erhalten, welche Angebote und Ressourcen bereits bestehen, um KI-Medienbildung junger Menschen zu stärken.
Experience AI-Unterrichtsprogramm
Die Fachtagung fand im Rahmen des Programms „Experience AI“ statt: Die FSM setzt dies in Partnerschaft mit der gemeinnützigen Raspberry Pi Foundation und durch finanzielle Unterstützung von Google.org in Deutschland um.
Experience AI ist ein Unterrichtsprogramm mit aktuellen Ressourcen zum Thema künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen für Elf- bis Vierzehnjährige.
Lehrkräfte erhalten kostenfreie Übungen für den Unterricht sowie Unterrichtspläne und Präsentationen, um den sicheren und verantwortungsbewussten Umgang ihrer Schüler*innen mit KI zu stärken. Über die sechs Grundlagenlektionen sowie Lektion sieben zu Large Language Models können Sie sich in unserem Blog informieren, oder direkt bei Experience AI vorbeischauen.
weitklick-Fortbildungen
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