KI und Inklusion im Schulalltag – Rückblick auf das vierte weitklick-Webinar

von weitklick-Redaktion | 08.12.2025

Auf meine Merkliste

Zoom-Screenshot von Dr. Lea Schulz im vierten weitklick-Webinar
© weitklick
Warum KI ein hilfreiches Werkzeug für inklusiven Unterricht sein kann

 

In Klassen, in denen verschiedene Lernstände, Sprachkompetenzen und Unterstützungsbedarfe zusammentreffen, können an individuelle Bedarfe angepasste KI-Assistenten dazu beitragen, Barrieren abzubauen und Lernprozesse individueller zu gestalten. Dr. Lea Schulz zeigte, wie solche KI-Tools Erklärungen vereinfachen, Aufgaben übersetzen oder Texte strukturieren können und damit sowohl sprachliche als auch kognitive Hürden reduzieren. Gleichzeitig ermöglichen sie Lernenden, in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten und sich gezielt Unterstützung einzuholen, ohne auf den nächsten freien Moment der Lehrkraft warten zu müssen. Diese positiven Effekte können KI-Chatbots entfalten, wenn sie durchdacht in einem pädagogischen Setting eingesetzt werden.

Risiken von KI-Chatbots im Unterricht

 

Den Potenzialen stehen jedoch Risiken gegenüber, die Lehrkräfte im Blick behalten müssen. KI arbeitet nicht fehlerfrei und besitzt keine echte emotionale Sensibilität, daher darf sie nicht als vollwertige pädagogische Instanz verstanden werden. Ebenso besteht die Gefahr, dass Lernende Aufgaben „an die KI delegieren“ und dadurch weniger eigene Denkprozesse durchlaufen. Auch datenschutzrechtliche und ethische Fragen spielen im schulischen Umfeld eine wichtige Rolle. KI kann also viel – aber nur in einem Rahmen, der kritisch begleitet wird und der Lernenden hilft, sich sowohl Wissen anzueignen als auch Medienkompetenzen aufzubauen.

Eigene KI-Assistenten erstellen – ein pragmatischer Weg für Lehrkräfte

 

Dr. Lea Schulz zeigte praxisnah, wie Lehrkräfte eigene KI-Chatbots auf datenschutzkonformen Plattformen wie Fobizz anlegen und an die Bedürfnisse ihrer Klassen anpassen können. 

  1. Antwortverhalten definieren: Zunächst wird ein geeigneter sogenannter System-Prompt erstellt, der das Antwortverhalten sowie den inhaltlichen Fokus des KI-Chatbots festlegt.
  2. Testen: Vor dem Einsatz im Unterricht sollte der neue KI-Assistent unbedingt von der Lehrkraft ausprobiert werden. Man müsse sich jedoch darauf einlassen, dass erst durch den Einsatz im Unterricht weitere Erkenntnisse zur Gestaltung des KI-Chatbots folgen.
  3. In den Unterricht einbinden & laufend anpassen: Eine iterative Herangehensweise ermöglicht Lehrkräften, Schritt für Schritt herauszufinden, welche Formulierungen, Hilfestellungen oder Einschränkungen für die eigene Lerngruppe am besten funktionieren. 
Folie von Dr. Lea Schulz zum Erstellen von KI-Assistenten
Didaktische Leitlinien & Scaffolding

 

Ein Schwerpunkt des Webinars lag auf der Frage, wie KI-Chatbots durch Lehrkräfte in Fobizz so gestaltet werden können, dass sie im Unterricht tatsächlich lernförderlich wirken:

  • Verständliche und klar strukturierte Sprache festlegen z.B. in Form von Absätzen, Listen und anhand einfach verständlicher Beispiele
  • Scaffolding beachten, damit der zu erstellende KI-Chatbot nicht automatisch Lösungen präsentiert, sondern mit gezielten Nachfragen und Denkanstößen arbeitet
  • Niveaustufen und Altersgruppen im Systemprompt verankern, sodass der KI-Chatbot die Rückmeldungen dem Leistungsstand der Lernenden anpassen kann
Wie KI Lernprozesse konkret unterstützen kann

 

Anhand verschiedener Beispiele aus dem Unterricht zeigte Dr. Lea Schulz, wie solche individualisierten KI-Chatbots assistierend eingesetzt werden können – etwa beim kreativen Schreiben und beim Entwickeln von Geschichten. KI kann Impulse geben, Fragen stellen, Textideen sortieren oder Rückmeldungen in kindgerechter Sprache formulieren. Gerade im Bereich der sprachlichen Bildung bieten KI-Assistenten vielfältige Möglichkeiten, Wortschatz, Textstruktur oder Schreibprozesse zu unterstützen. Dabei steht jedoch nicht das fertige Produkt im Mittelpunkt, sondern der Lernweg, den die Schüler*innen gemeinsam mit den KI-Assistenten gestalten.

Fazit: KI ist kein Ersatz – aber eine Bereicherung mit Potenzial

 

Das Webinar zeigte eindrucksvoll: KI allein macht noch keinen besseren Unterricht, aber sie kann Unterricht zugänglicher, flexibler und responsiver gestalten. Für Lehrkräfte, gerade in inklusiven Lernsettings, bieten sich neue Werkzeuge, die Differenzierung erleichtern und Lernenden mehr Teilhabe ermöglichen. Entscheidend ist, dass KI gezielt eingebettet wird – mit klarer Aufgabenstruktur, pädagogischer Begleitung und einer Haltung, die sowohl Chancen nutzt als auch Risiken reflektiert.

Übersicht Blogbeiträge
KI-Grundlagen
Medienbildung
Vorgestellt
Webinare & Veranstaltungen