KI-Desinformation erkennen – Rückblick auf das weitklick-Webinar vom 23.04.2026
von weitklick-Redaktion | 13.05.2026
Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Alltags junger Menschen, ob für Hausaufgaben, kreative Projekte oder zur schnellen Informationssuche. Gleichzeitig wächst die Herausforderung, zwischen verlässlichen Informationen und gezielt erzeugten Falschmeldungen zu unterscheiden. Genau hier setzte das sechste weitklick-Webinar „Zwischen Fakten und Fakes: KI-Desinformation erkennen, Medienbildung stärken“ für Lehr- und pädagogische Fachkräfte an.
Gemeinsam mit Cristina Helberg, freie Investigativjournalistin und Trainerin für Recherche und Verifikation, gaben wir Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um KI, Desinformation und Faktenchecks, sowie konkrete Ansätze für die Bildungsarbeit.
Erstellung und Verbreitung von Desinformation: Die Rolle von KI
KI-generierte Inhalte sind nicht per se Desinformation. KI als Technologie kann jedoch deren Erstellung und Verbreitung erheblich erleichtern.
Besonders sichtbar wird das bei sogenannten Deepfakes. Dabei handelt es sich um mithilfe von KI erzeugte oder manipulierte Medieninhalte, die täuschend echt wirken können. Solche Inhalte verbreiten sich häufig rasend schnell über soziale Netzwerke, bspw. in Form gefälschter Videos von Politiker*innen oder manipulierter Bilder.
Hinzu kommt die Dynamik sozialer Medien: Emotional aufgeladene Inhalte erzielen hohe Reichweiten und werden selten kritisch überprüft. Das erhöht das Risiko, dass Desinformation ungeprüft weitergegeben wird.
Deepfakes erkennen: Worauf es ankommt
Ein besonderer Schwerpunkt des Webinars lag auf der Frage, wie sich Deepfakes identifizieren lassen. Gastreferentin Cristina Helberg gab praxisnahe Einblicke in die Verifikation von Bild- und Videomaterial.
Wichtige Ansatzpunkte sind dabei unter anderem:
- Objektpermanenz: Im Zusammenhang mit Deepfakes bezeichnet das die Fähigkeit einer KI, Objekte oder Personen in einem Video über mehrere Bilder hinweg konsistent darzustellen. Bei fehlerhaften Deepfakes zeigt sich oft, dass Details plötzlich „verschwinden“ oder sich verändern, etwa Schmuck, Brillen, Hände oder Hintergründe. Solche Unstimmigkeiten können ein Hinweis auf manipulierte Inhalte sein, weil KI Schwierigkeiten hat, alle Elemente dauerhaft und realistisch beizubehalten.
- Dreidimensionalität im Raum: Personen und Objekte müssen räumlich glaubwürdig wirken. KI muss also Perspektiven, Licht, Schatten und Bewegungen korrekt berechnen, damit ein Gesicht oder Körper natürlich in die Umgebung eingebettet erscheint. Fehler zeigen sich häufig dann, wenn sich eine Person bewegt oder die Kameraperspektive wechselt. Typische Hinweise sind unnatürliche Schatten, verzerrte Proportionen oder Gesichter, die „flach“ wirken und nicht richtig zum Raum passen.
- Logik prüfen: Hier gilt es zu prüfen, was inhaltlich gezeigt wird, auf welchen Kontext sich das Video bezieht. Kann das Dargestellte so stattgefunden haben? Gibt es die Orte, die gezeigt werden? Die Kameraausrichtung in Deepfakes wirkt häufig zu perfekt: Auch in chaotisch dargestellten Situationen ist die Kamera meist perfekt mittig ausgerichtet mit perfektem Blick auf das Geschehen.
- Quellen prüfen: Über welche Quellen wurde das jeweilige Video veröffentlicht? Gibt es vertrauenswürdige Medien, die die Informationen bestätigen? Fehlende oder zweifelhafte Quellenangaben können ein Indiz für Desinformation sein.
Deepfakes sind häufig bewusst kurzgehalten, damit Ungereimtheiten weniger auffallen. Besonders problematisch ist, dass sie oft gezielt zur Diskriminierung oder Diffamierung von Minderheiten eingesetzt werden. Gleichzeitig benötigen KI-Systeme heute immer weniger Trainingsmaterial: Bereits wenige Sekunden Audio oder einzelne Fotos reichen teilweise aus, um täuschend echte Stimmen oder Videos zu erzeugen.
Um Manipulationen besser zu erkennen, lohnt es sich, Videos mehrfach anzusehen und dabei gezielt auf einzelne Bereiche zu achten. Hilfreich kann auch eine reduzierte Wiedergabegeschwindigkeit sein. So fallen eher Details auf, wie etwa verschwindende Körperteile, unnatürliche Bewegungen oder auffällige Veränderungen im Hintergrund.
Medienpädagogische Impulse für die Praxis
Ein Schwerpunkt des Webinars lag in der direkten Übertragbarkeit auf den Unterricht und die außerschulische Bildungsarbeit.
Vorgestellt wurden unter anderem:
- Interaktive Übungen wie die „KI-Check Challenge“ aus dem Unterrichtsprogramm „Experience AI“, Lektion 11 „Verantwortungsvoller Einsatz von KI-Tools“, bei der Lernende spielerisch Transparenz, Fairness und Verantwortung von KI-Systemen reflektieren
- Unterrichtsmaterialien und OER-Ressourcen, die sofort eingesetzt werden können
- Medien in die Schule Modul: Meinung im Netz gestalten
- Medien in die Schule Übungen in Leichter Sprache: Wie kannst du falsche Informationen im Internet erkennen?
- Online-Ressourcen zum Faktenprüfen:
- Online-Module und Faktenchecks mit Checkbar.at
- Online-Quellen und Behauptungen prüfen mit MIMIKAMA
- Artikel für Elternarbeit und Erziehende von Elternguide.online
Dabei wurde deutlich: Medienbildung im KI-Zeitalter bedeutet nicht nur Aufklärung über Risiken, sondern auch die Befähigung zur aktiven, reflektierten KI-Nutzung.
Fazit: Medienkompetenz neu denken
Das Webinar hat eindrücklich aktuelle Herausforderungen im Prüfen von Fakten und Falschnachrichten aufgezeigt und wie wichtig es ist, junge Menschen zu einer kritischen KI-Nutzung zu befähigen und die Informationskompetenz zu stärken.
Für Lehr- und pädagogische Fachkräfte ergeben sich daraus klare Handlungsfelder:
• KI verstehen und einordnen können
• Desinformation erkennen und thematisieren
• Recherche- und Informationskompetenz vermitteln
• Räume für Reflexion und Diskussion schaffen
weitklick bietet passend dazu umfassende Fortbildungen und gibt Impulse, KI-Themen kreativ und altersgerecht in den Unterricht zu bringen. Melden Sie sich zu unseren kostenfreien Veranstaltungen an und nehmen Sie teil!