Desinformation und wie sie verbreitet wird

von Stephan Mündges (Gastbeitrag) | 24.11.2020

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Die Ereignisse rund um die Präsidentschaftswahl in den USA oder die Behauptungen von Corona-Leugnern in Deutschland sind zwei der jüngsten Beispiele für gezielte Verbreitung von Desinformation. In einem digitalen Vortrag vor Lehrkräften der Paul-Gerhardt-Schule in Dassel konnte ich einige der Mechanismen vorstellen, die die schnelle und weite Verbreitung von Desinformation in sozialen Netzwerken begünstigen.

Studien zur Mediennutzung zeigen, dass junge Menschen Nachrichten hauptsächlich aus dem Internet beziehen und dort vor allem in sozialen Netzwerken auf Nachrichten und journalistische Inhalte stoßen (vgl. Kümpel, 2020). Umso wichtiger ist es, dass Lehrkräfte, die den Umgang mit Nachrichten und Medien im Unterricht thematisieren möchten, sich der Bedingungen, Mechanismen und Manipulationsmöglichkeiten von Instagram und Co. bewusst sind.

Im Vortrag habe ich daher kurz grundlegend verschiedene Arten von Desinformation umrissen und Taktiken ihrer Verbreitung skizziert. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Möglichkeiten künstlicher Verstärkung gelegt: Anhand mehrerer Beispiele konnte ich zeigen, welche Indizien beispielsweise auf den Einsatz von Social Bots oder Fake Accounts hinweisen. Mit solchen Taktiken versuchen Akteure im Digitalen, die eigenen fragwürdigen Inhalte möglichst weit zu verbreiten und eine vermeintliche Mehrheit zu simulieren, die diese Inhalte begrüßenswert findet.

Die anschließende Diskussion drehte sich um die Frage, welche Konsequenzen Lehrkräfte aus den vorgestellten Inhalten für den Unterricht aber auch für den Umgang mit Personen, die Desinformation verbreiten, ziehen könnten. Bei der Medienbildung an der Schule ist es wichtig, dass Schüler*innen lernen, mit welchen Standards Journalist*innen aber auch Wissenschaftler*innen arbeiten. So kann ein besseres Verständnis dafür geweckt werden, warum seriöse Quellen anderen vorzuziehen sind. Im Alltag, wenn man sich mit Personen, die Desinformation verbreiten, konfrontiert sieht, ist Widerspruch nötig: möglichst sachlich, ohne die jeweilige Person anzugreifen, aber doch klar und entschieden. Nur so lässt sich auf lange Sicht das Problem der Desinformation im Netz eindämmen.

Literatur:
Kümpel, A. S. (2020). Nebenbei, mobil und ohne Ziel? Eine Mehrmethodenstudie zu Nachrichtennutzung und -verständnis von jungen Erwachsenen. Medien & Kommunikationswissenschaft, 68(1–2), 11–31. URL: https://doi.org/10.5771/1615-634X-2020-1-2-11
 

Über Stephan Mündges

Stephan Mündges ist Reporter und Redakteur des ZDF und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik (IJ) an der TU Dortmund. Am IJ bildet er angehende Journalistinnen und Journalisten aus. In seiner wissenschaftlichen Forschung beschäftigt er sich mit der digitalen Transformation des Journalismus. Für das ZDF arbeitet er seit über elf Jahren in verschiedenen Redaktionen. Seit September 2020 ist er Redakteur und Reporter im heute journal. Schwerpunktmäßig berichtet er über Digitalthemen. Er twittert unter @muendges.

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