Verschwörungsmythen im Lehrerzimmer

Es werden immer wieder Fälle bekannt, bei denen sich Schulen auch in den eigenen Reihen mit Personen auseinandersetzen müssen, die Verschwörungsmythen anhängen.

Berlin, 22. April 2021. Die Osterferien sind in der gesamten Bundesrepublik vorbei und der Unterricht hat begonnen – sei es in Präsenz, auf Distanz oder im Wechselmodell. Dabei werden immer wieder Fälle bekannt, bei denen sich Schulen auch in den eigenen Reihen mit Personen auseinandersetzen müssen, die Verschwörungsmythen anhängen.

Durch die von Corona hervorgerufene Instabilität und Ungewissheit flüchten sich viele Menschen in Verschwörungserzählungen, die Sicherheit und Ordnung versprechen. Die Welt wird in Gut und Böse eingeteilt; sie wird weniger komplex und dadurch verständlicher. Bei manchen werden diese zur Weltanschauung: Sie glauben an eine andere Realität, an Komplotte und Verschwörungen. Auch die Schule und das Lehrerzimmer sind davor nicht gefeit.


Was tun?

Wie soll man sich dazu verhalten, wenn eine Kollegin oder ein Kollege Verschwörungsmythen oder Falschnachrichten verbreitet? Wie kann ich meinen Standpunkt klar machen und trotzdem ein konstruktives Gespräch führen? Und was kann und sollte man überhaupt sagen?

Das Projekt weitklick der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) hat zehn Tipps zusammengestellt, die bei der Konfrontation mit Verschwörungsmythen in den Reihen des Kollegiums helfen können.

Grundsätzlich ist natürlich jederzeit auf die Brisanz der Falschnachrichten und Verschwörungsmythen zu achten. Sollte der Kollege oder die Kollegin Gewalt als legitime politische Ausdrucksform darstellen oder andere strafrechtlich relevanten Positionen vertreten, muss nicht nur die Schulleitung eingeschaltet werden, sondern möglichweise auch die Polizei.
 

Zehn Tipps für ein Gespräch

  1. Zuerst ein Gespräch unter vier Augen suchen, um eine direkte Konfrontation von mehreren Seiten zu vermeiden.
  2. Die eigene Position reflektieren und gut vorbereitet in das Gespräch gehen. „Themenhopping“ vermeiden und stattdessen Schritt für Schritt über einen Themenbereich sprechen.
  3. Die individuellen Sorgen der Person wahrnehmen, aber entsprechend einordnen. Was erhofft sich die Person von den Verschwörungsmythen und welche psychologischen Faktoren machen sie ggf. dafür anfällig?
  4. Emotionen mit Emotionen begegnen, Unwahrheiten mit Fakten entkräften.
  5. Vertrauen aufbauen und der Kollegin bzw. dem Kollegen   mit Respekt gegenübertreten, aber gleichzeitig deutlich machen, dass man die vertretene Position nicht akzeptieren kann.
  6. Früh einschreiten! Je früher man nachfragt, desto größer sind die Chancen zu verhindern, dass Personen immer tiefer in den Sog der Verschwörungsmythen hineingezogen werden und noch mit Fakten erreicht werden können.
  7. Den Kontakt zu den entsprechenden Kollegen aufrechterhalten. Den Weg aus den Verschwörungsmythen müssen sie selbst antreten, aber wenn die Anknüpfungspunkte zur Realität weniger werden, wird es schwerer, wieder herauszufinden.
  8. Endlose Diskussionen, verhärtende Fronten: holen Sie sich Unterstützung bei anderen Kollegen oder bei offiziellen Beratungsstellen, wie z. B. den Sekten-Informationen einzelner Bundesländer.
  9. Widerspruch einlegen, wenn Falschinformationen verbreitet werden! Dabei reicht es schon, mutig zu sein und zu sagen: „Ich sehe das anders!“. Das Wichtigste ist, ein Zeichen zu setzen, für die betreffende Person und für alle Zuhörenden, dass es auch andere Meinungen und Gegenrede gibt.
  10. Eigene Grenzen setzen! Diskussionen können langwierig und emotional fordernd sein, insbesondere wenn man mit der betreffenden Person regelmäßig in Kontakt ist. Darum ist es auch für die eigene mentale Gesundheit wichtig, Grenzen zu setzen. Es gibt keine Verpflichtung, sich jedes Mal streiten zu müssen, wenn man etwas anders sieht..

Ausführliche Beschreibungen der einzelnen Tipps, weiterführende Informationen und Quellenangaben finden Sie im Blogbeitrag „Verschwörungsmythen im Lehrer*innenzimmer – Was tun?“ auf weitklick.de.

Für Tipps, wie Lehrkräfte und Fortbildungsverantwortliche das Thema in den Unterricht integrieren können, bietet weitklick zertifizierte Kursmodule und eine Webinar-Reihe an.

Über weitklick

Zielgruppe von weitklick sind Lehrende an weiterführenden sowie berufsbildenden Schulen. Das Projekt wird von der gemeinnützigen FSM durchgeführt und ist eingebunden in das bestehende Projekt „Medien in die Schule“, das eine Vielzahl von Unterrichtsmaterialien anbietet und bereits zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer erreicht hat.

Begleitet wird weitklick von einem interdisziplinären Fachbeirat mit Expertinnen und Experten aus Journalismus, Politik, Wissenschaft und Bildungspraxis. Den Vorsitz übernimmt die Journalistin und Publizistin Ferda Ataman. Die Schirmherrin von weitklick ist Prof. Dr. Gesine Schwan. Finanziert wird das auf drei Jahre angelegte Projekt von Google.org, unterstützt wird es von der Google News Initiative.

Interviews mit Frau Ataman und weiteren Beiratsmitgliedern vermitteln wir gerne. Weiteres Presse- und Bildmaterial zum Download finden Sie auf weitklick.de/presse.

 

Pressekontakt

Wiebke Klecar,
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 030 24 04 84 43
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