Webinar: Die Arbeit hinter den Schlagzeilen

von weitklick-Redaktion | 09.07.2021

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Screenshot Ingrid Brodnig
© weitklick

Am 08.07.2021 begann die Journalistin und Buchautorin Ingrid Brodnig ihr Webinar "Die Arbeit hinter den Schlagzeilen - Was journalistische Kompetenz ausmacht und wie wir sie im Unterricht fördern können" mit einem Tipp, wie Lehrkräfte das Thema Desinformation im Unterricht aufgreifen können.

Frau Brodnig regte an, sich die Entstehungsgeschichte der (möglichen) Falschnachrichten anzuschauen, also detektivisch heranzugehen an die Geschichte und die Menschen dahinter. Sie zeigte ein Beispiel für eine unwahre Nachricht und führte aus, dass die meisten Menschen auf solche Falschmeldungen nicht hereinfallen. Dennoch verbreiten sich solche Beiträge oft sehr schnell.

Stimmt das?

Im Umgang mit Nachrichten riet sie dazu, sich die Frage zu stellen: Stimmt das? Und im zweiten Schritt zu überlegen: Was wird hier behauptet? Und dann genau danach zu googeln. Falls die deutschsprachige Suche keine passenden Ergebnisse bringt, kann es helfen, die Suche auf Englisch zu wiederholen. Oft reicht dies schon, um herauszufinden, dass es sich um eine Falschmeldung handelt.

3 Gründe für Falschmeldungen

Drei Motivationen nannte Frau Brodnig, aus denen heraus Falschmeldungen produziert werden:

  1. Jemandem einen Streich spielen.
  2. Willentlich andere hereinlegen, um Geld zu machen oder politischen Gegnern zu schaden.
  3. Das Falsche wird selber geglaubt

Beispiele aus der Medienwelt der Jugendlichen nutzen

In der Arbeit mit Jugendlichen gab Frau Brodnig den Tipp, Beispiele zu nutzen, die aus den von den Jugendlichen genutzten Kanälen kommen. Diese gemeinsame Auseindersetzung ist sehr sinnvoll für die Entwicklung der Jugendlichen.

Welche Social Media Kanäle nutzen Sie?

Eine Umfrage unter den Teilnehmenden zur Frage, welche Social Media Kanäle sie nutzen, ergab Folgendes:

Screenshot Umfrageergebnisse

 

Im Vergleich dazu präsentierte Ingrid Brodnig die Ergebnisse einer Statistik des Reuters Institute for the Study of Journalism:

Screenshot Präsentation

Hier zeigt sich deutlich, dass sich die Kanäle von Jugendlichen und Erwachsenen stark unterscheiden. Oft ist es so, dass Erwachsene gerne die Kanäle/Apps weiternutzen, nachdem sie diese verstanden haben. Jugendliche hingegen wechseln dann gerne zur nächsten Anwendung.

Kritsches Denken

Ingrid Brodnig machte deutlich, dass es bei der Nutzung der Plattformen vor allem auf das kritische Denken ankommt. Dieses Denken kann man Schüler*innen beibringen. Dazu müssen Lehrkräfte nicht unbedingt technisch cleverer sein als die Jugendlichen und versuchen, diese im Kennenlernen von TikTok und Co. zu überholen. Es geht nicht darum, jede neue App, die Jugendliche nutzen, im Detail kennen zu müssen. Im Gegenteil: Es reicht, das Grundprinzip zu verstehen.

Kritsche Fragen und die komplexe Realität

Jugendliche können oft nicht erkennen, dass ein Bild allein noch kein Beleg für die Richtigkeit einer damit belegten Meldung ist. Es kommt auf den Kontext an. Hier helfen für die Einordnung folgende kritische Fragen:

  • Wer ist die Quelle und ist diese Quelle seriös?
  • Ist die Information richtig? Ist der Kontext richtig?
  • Wird mir ein wichtiges Detail vorenthalten?

Es ist also wichtig, genau hinzuschauen, denn desinformierende Überschriften sind oft leicht verständlich. Die Realität hingegen ist komplex.

Wunschdenken und Filterblasen

In Bezug auf Desinformation rund um die Corona-Pandemie stellte Frau Brodnig die These in den Raum, dass es für manche Menschen einfacher ist, an die Harmlosigkeit des Virus zu glauben als daran, dass es ein gefährliches Virus gibt. Hinzu kommt, dass Untersuchungen ergeben haben, dass Informationsquellen, die der eigenen Weltsicht entsprechen, eher wahrgenommen werden. Wir fühlen uns also wohler mit Informationen, die unserem Weltbild entsprechen.

Deplatforming transparent machen

Ingrid Brodnig führte aus, dass das sogenannte Deplatforming - also der Ausschluss von Plattformen - dazu dienen kann, die Verbreitung menschenfeindlicher Inhalte einzudämmen. Es ist jedoch wichtig, dass die Plattformen transparent machen, warum jemand gesperrt wird. Darüber hinaus ist es auch wichtig, dass Ausschlüsse, die versehentlich passiert sind, transparent kommentiert werden: Wie ist es zu diesem Fehler gekommen? War es ein menschlicher Fehler oder ein fehlerhafter Algorithmus? Hierfür braucht es aus Sicht von Frau Brodnig auch neue Formen der Medienaufsicht.

Humor einsetzen

Jugendliche sind ein hartes Publikum. Man muss kämpfen, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Humor ist ein Mittel, um sie besser erreichen zu können. Wenn Jugendliche selbst Humor manchmal in rassistischen und sexistischen Kontexten einsetzen, kann dies Anlass für eine Diskussion zu diesen Themen bieten. Denn Humor bietet die Chance, Neugierde zu wecken.

Frau Brodnig teilte ihren Vortrag in drei Schwerpunkte auf:

Drei Scherpunkte

Im Anschluss an den Input hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dies wurde sehr rege genutzt. Wir danken allen, die dabei waren.

Es gibt von diesem Webinar keine Aufzeichnung. Jedoch ist im Kontext des Webinars ein kurzes Video entstanden, in dem Frau Brodnig drei Tipps zum Umgang mit Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen nennt.

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Lehrkräfte aus Berlin haben die Möglichkeit, diese Fortbildung am 23. August zu besuchen. Anmeldungen erfolgen über die Regionale Fortbildung Berlin. Mehr Informationen finden Sie hier.

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